Lumière

Der Untertan

DDR 1951, 96 Min.
Regie: Wolfgang Staudte
D.: Werner Peters, Paul Esser, Blandine Ebinger

Diederich Heßling ist ein autoritätshöriges Kind, das sich vor allem fürchtet. Bis er erkennt erkennt, dass man der Macht dienen muss, wenn man selbst Macht ausüben will. Nach oben buckeln und nach unten treten, wird von nun an seine Lebensmaxime. Er knüpft Beziehungen zu einflussreichen Leuten, die ihm nützen können, für seinen geschäftlichen Erfolg, unter solchen Erwägungen wählt er auch seine nicht sonderlich attraktive, aber reiche Ehefrau aus. Und er nutzt seine Beziehungen zum Regierungspräsidenten von Wulkow, um einen unliebsamen Konkurrenten auszuschalten. Sein größtes Erlebnis ist es, den Kaiser aus der Nähe gesehen zu haben. Eifrig sammelt er für ein Kaiserdenkmal in seiner Stadt. Doch die Einweihung geht in einem tosenden Gewitter unter ...
Devot gegenüber der Macht, autoritär und herrschsüchtig gegenüber seinen Untergebenen, verkörpert Heßling den Typus des Untertanen, der nicht nur den Ersten Weltkrieg, sondern - nach Staudtes Lesart - auch den Nationalsozialismus überhaupt erst möglich gemacht hat.
Heinrich Manns Roman "Der Untertan" feiert in diesem Jahr 100jähriges Erscheinen - zumindest in Buchform, denn eigentlich war der Roman bereits im Juli 1914 vollendet. Das Buch wurde kontrovers diskutiert, Thomas Mann warf seinem Bruder "nationale Ehrabschneiderei" vor, und auch die Verfilmung (1951, Regie Wolfgang Staudte), die anlässlich des Jubiläums im Rahmen des diesjährigen Literaturherbstes gezeigt wird, schied die Geister. Heinrich Mann überschrieb die Rechte der DEFA, starb aber, bevor der Film gedreht wurde.

Sonntag 14.10. um 11.00 Uhr
Einführung: Klaus Wettig
In Kooperation mit dem GÖTTINGER LITERATURHERBST